Fantasy-Brettspiele: Magie und Abenteuer auf dem Brett
Von Andor bis Gloomhaven: was die Gattung ausmacht und wo der Aufwand anfängt.
Evils-Toy-Redaktion
Fantasy ist im Brettspielbereich weniger ein Genre als ein Regal, in dem sehr verschiedene Spiele stehen. Gemeinsam ist ihnen die Welt, nicht die Mechanik. Deshalb hilft die Frage nach dem Thema beim Kauf wenig. Nützlicher ist die Frage: Wie viel Aufbau, Regelwerk und Zeit bin ich bereit zu investieren?
Leicht: Fantasy als Anstrich
Die Legenden von Andor ist der zugänglichste Einstieg. Statt einer dicken Anleitung führt das Spiel selbst durch die erste Legende und ergänzt Regeln, während man spielt. Es ist kooperativ, hat einen sichtbaren Zeitdruck und funktioniert ab etwa zehn Jahren.
Dixit hat Fantasy nur in den Illustrationen und ist mechanisch ein Wortspiel. Für Runden, die die Stimmung mögen, aber kein Regelwerk wollen, ist es die passendste Wahl.
Kingdomino und Splendor siedeln in ähnlichen Welten, ohne dass die Welt eine Rolle spielt.
Mittel: Fantasy mit Substanz
Blood Rage dreht sich um Wikinger und die Ragnarök. Man draftet Karten und kämpft um Gebiete, die anschließend untergehen. Der Kniff: Der eigene Tod bringt Punkte, was die übliche Vorsicht umkehrt.
Rising Sun stammt vom selben Autor und ersetzt Kämpfe weitgehend durch Verhandlungen und Bündnisse, die jederzeit gebrochen werden dürfen.
Spirit Island lässt die Spieler als Naturgeister eine Insel gegen Kolonisatoren verteidigen. Es ist eines der wenigen Fantasy-Spiele, bei denen die Perspektive bewusst gedreht wurde.
Schwer: Kampagnen
Gloomhaven ist der Maßstab: dutzende Szenarien, Charakterentwicklung über Monate, ein Karton mit erheblichem Gewicht. Wer weniger Umfang will, greift zu Gloomhaven: Die Pranken des Löwen, das denselben Kern in kleinerer Form bietet.
Descent und Warhammer Quest: Blackstone Fortress gehen in eine ähnliche Richtung und arbeiten mit Miniaturen. Mehr dazu bei den Miniaturenspielen.
Mage Knight ist eher ein Optimierpuzzle in Fantasy-Kleidung und funktioniert vor allem solo hervorragend.
Was das Material für die Kaufentscheidung bedeutet
Fantasy-Spiele werden häufig über ihre Ausstattung verkauft. Bemalbare Miniaturen sehen gut aus, kosten aber Geld, Platz und Aufbauzeit. Drei praktische Punkte:
- Aufbauzeit. Alles über zehn Minuten senkt die Häufigkeit, mit der ein Spiel auf den Tisch kommt, spürbar.
- Stellfläche. Große Kampagnenspiele brauchen einen Tisch, den man nicht jedes Mal abräumen muss.
- Standees statt Miniaturen. Viele Titel bieten Pappaufsteller als günstigere Variante mit identischem Spielgefühl.
Kurzübersicht
| Spiel | Personen | Dauer | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Die Legenden von Andor | 2-4 | 60 Min. | gering |
| Blood Rage | 2-4 | 90 Min. | mittel |
| Rising Sun | 3-5 | 120 Min. | mittel |
| Spirit Island | 1-4 | 120 Min. | hoch |
| Pranken des Löwen | 1-4 | 60 Min. je Szenario | mittel |
| Gloomhaven | 1-4 | Kampagne | sehr hoch |
Wenn die Welt stimmen soll, aber nicht der Aufwand
Dann lohnt der Blick auf Spiele mit Fantasy-Thema und Eurogame-Mechanik, etwa Terra Mystica. Sie liefern die Optik ohne Regelballast und stehen in der Übersicht zu den Eurogames.