Die besten Eurogames: Strategie aus Europa
Wenig Glück, wenig Konfrontation, viel Optimierung. Die Gattung, die deutsche Spieleautoren geprägt haben.
Evils-Toy-Redaktion
Eurogame ist keine Herkunftsangabe, sondern eine Bauweise. Der Begriff entstand im englischsprachigen Raum als Abgrenzung zu den dort üblichen Spielen mit viel Würfelglück und direkter Konfrontation. Was aus Deutschland kam, war anders: wenig Zufall, kaum direkte Angriffe, dafür knappe Ressourcen und Optimierung.
Die typischen Merkmale
- Wenig Glück. Zufall steckt meist nur im Startaufbau oder in der Kartenreihenfolge, nicht im Ergebnis einer Aktion.
- Keine Ausscheidung. Alle spielen bis zum Schluss mit.
- Indirekte Konkurrenz. Man nimmt anderen Felder und Ressourcen weg, greift sie aber nicht an.
- Punkte statt Vernichtung. Am Ende wird gezählt, nicht überlebt.
- Thema als Anstrich. Die Mechanik funktioniert auch ohne die Geschichte.
Der letzte Punkt ist der häufigste Kritikpunkt: Ob man Getreide erntet oder Kristalle abbaut, ändert am Spiel oft nichts. Wer Thema und Erzählung möchte, ist bei Abenteuerspielen besser aufgehoben.
Zum Einstieg in die Gattung
Die Burgen von Burgund ist ein guter erster Schritt. Man würfelt zwar, entscheidet aber selbst, welches Plättchen man mit welchem Würfel nimmt. Damit fühlt es sich lebendig an, ohne dass Pech eine Partie entscheidet.
Concordia kommt ohne jeden Würfel aus und arbeitet mit einem kleinen Kartendeck, aus dem sich zugleich die Endwertung ergibt. Wer den Reiz von Deck-Building mag, findet hier eine ruhige Variante.
Viticulture baut ein Weingut auf und ist thematisch ungewöhnlich dicht für ein Eurogame.
Die Schwergewichte
Agricola und Caverna stammen vom selben Autor und teilen das Grundprinzip: Man setzt Arbeiter auf Aktionsfelder, die dann für andere blockiert sind. Agricola ist härter, weil man seine Leute füttern muss und Hunger sofort bestraft wird. Caverna ist entspannter und verzeiht mehr.
Terra Mystica lässt vierzehn Völker um Terrain kämpfen, jedes mit eigenen Sonderregeln. Es gilt als extrem ausbalanciert und ist entsprechend fordernd.
Puerto Rico ist der Klassiker der Rollenwahl: Wer eine Rolle wählt, gibt allen anderen dieselbe Aktion, hat aber einen Vorteil dabei. Das Spiel wird wegen seines kolonialen Themas und der Darstellung von Zwangsarbeit inzwischen kritisch diskutiert, neuere Auflagen haben die Thematik überarbeitet.
Brass: Birmingham und Great Western Trail stehen für die Generation danach: viele ineinandergreifende Systeme, hohe Einstiegshürde, sehr hoher Wiederspielwert.
Scythe sieht wegen der Miniaturen nach Kriegsspiel aus, ist aber ein Eurogame mit Aufbau und Wirtschaft. Kämpfe kommen selten vor.
Nach Gewicht sortiert
| Spiel | Dauer | Einstiegshürde |
|---|---|---|
| Die Burgen von Burgund | 90 Min. | niedrig |
| Concordia | 90 Min. | niedrig |
| Viticulture | 90 Min. | mittel |
| Caverna | 120 Min. | mittel |
| Scythe | 115 Min. | mittel |
| Agricola | 120 Min. | hoch |
| Terra Mystica | 120 Min. | hoch |
| Great Western Trail | 120 Min. | hoch |
| Brass: Birmingham | 120 Min. | hoch |
| Puerto Rico | 90 Min. | mittel |
Wann diese Spiele nicht passen
Eurogames brauchen eine Runde, die dieselbe Bereitschaft mitbringt. Wenn zwei Personen optimieren wollen und zwei nur reden möchten, wird es für alle zäh. Für gemischte Abende sind Titel aus der Übersicht für Einsteiger die bessere Wahl.