Wirtschaftssimulationen: ökonomische Brettspiele
Angebot, Nachfrage, Preisverfall. Spiele, in denen Geld nicht nur eine Punktezahl ist.
Evils-Toy-Redaktion
In vielen Brettspielen kommt Geld vor. In einer Wirtschaftssimulation entsteht sein Wert im Spiel selbst: Preise verändern sich, weil jemand kauft oder verkauft, und ein Markt reagiert auf Verhalten. Das ist der Unterschied zwischen einem Spiel mit Geld und einem Spiel über Wirtschaft.
Die Kernmechanik: sich verändernde Preise
Power Grid ist das klarste Beispiel. Man versorgt Städte mit Strom und kauft dafür Rohstoffe. Kohle wird teurer, je mehr gekauft wird, und füllt sich langsam wieder auf. Wer als Erster kauft, zahlt weniger, aber wer zuerst baut, zahlt für Bauplätze mehr. Das Spiel bremst zusätzlich den Führenden aus, indem er in der Zugreihenfolge nach hinten rutscht.
Container und Le Havre arbeiten mit ähnlichen Ideen. In beiden entsteht der Preis durch die Mitspieler und nicht durch eine Tabelle.
Aufbau und Produktion
Die Siedler von Catan wird selten als Wirtschaftsspiel geführt, ist aber eines: Der Handel zwischen den Spielern ist der eigentliche Kern, und Knappheit bestimmt die Kurse. Wer nur würfelt und baut, spielt es unter Wert.
Agricola und Caverna sind Aufbauspiele mit Ressourcenknappheit, aber ohne Markt. Man konkurriert um Aktionsfelder, nicht um Preise. Mehr dazu bei den Eurogames.
Anno 1602 als Brettspielumsetzung und die Siedler-Adaptionen gehören in dieselbe Gruppe: Produktion und Ausbau stehen im Vordergrund.
Der Sonderfall Monopoly
Monopoly ist das bekannteste Wirtschaftsspiel und zugleich das am häufigsten missverstandene. Die Vorlage, das 1904 patentierte Landlord’s Game von Elizabeth Magie, war ausdrücklich als Lehrstück gegen Bodenspekulation gedacht: Es sollte zeigen, wie Monopole entstehen und alle außer einem verarmen lassen.
Genau das tut es bis heute, nur wird es als Unterhaltung verkauft. Aus Spielsicht bringt das die bekannten Probleme mit sich: sehr lange Spieldauer, frühes Ausscheiden und eine Entscheidung, die praktisch schon nach dem ersten Drittel gefallen ist.
Wer den Reiz von Handel und Immobilien mag, findet in Power Grid oder den 18xx-Eisenbahnspielen deutlich bessere Umsetzungen.
Nachhaltigkeit als Thema
Eine kleinere Gruppe beschäftigt sich mit ökologischen Zielkonflikten. CO2: Second Chance lässt die Spieler Energieprojekte bauen und gleichzeitig gemeinsame Emissionsziele erreichen, was ein Spannungsfeld zwischen Eigennutz und Gemeinwohl erzeugt. Green Deal und Bioeconomy verfolgen ähnliche Ansätze und stammen teils aus dem Bildungsbereich.
Diese Titel sind lehrreich, aber selten so ausgereift wie die etablierten Wirtschaftsspiele. Wer sie einsetzt, sollte das Ziel kennen: Diskussion anregen, nicht den Spieleabend tragen.
Kurzübersicht
| Spiel | Markt vorhanden | Dauer | Gewicht |
|---|---|---|---|
| Die Siedler von Catan | Handel unter Spielern | 90 Min. | mittel |
| Power Grid | ja, dynamisch | 120 Min. | schwer |
| Le Havre | teilweise | 120 Min. | schwer |
| Agricola | nein | 120 Min. | schwer |
| CO2: Second Chance | teilweise | 120 Min. | schwer |
| Monopoly | nein | offen | leicht |
Für den Einstieg
Wer das Thema mag, aber keine drei Stunden hat, sollte mit Catan anfangen und danach Power Grid probieren. Der Sprung dazwischen ist groß, aber überwindbar, und Power Grid erklärt mehr über Preisbildung als die meisten Titel mit dem Wort Wirtschaft auf der Schachtel.