Historische Brettspiele: Geschichte spielerisch erleben
Wann ein Spiel Geschichte erzählt und wann es nur ein historisches Motiv auf der Schachtel hat.
Evils-Toy-Redaktion
Zwischen einem Spiel mit historischem Thema und einem Spiel über Geschichte liegt ein großer Unterschied. Beim ersten ist die Epoche Dekoration, beim zweiten bestimmt sie, welche Entscheidungen überhaupt möglich sind. Beides hat seinen Platz, aber die Erwartung sollte zum Titel passen.
Thema als Anstrich
Viele Eurogames spielen in einer historischen Epoche, ohne dass sie etwas über sie behaupten. Die Burgen von Burgund und Puerto Rico funktionieren mechanisch identisch, wenn man das Thema austauscht. Das ist kein Mangel, sondern eine Bauweise. Wer diese Gruppe sucht, findet sie in der Übersicht zu den Eurogames.
Ein Sonderfall ist Puerto Rico, dessen Darstellung von Zwangsarbeit inzwischen kritisch gesehen wird. Neuere Auflagen haben das überarbeitet. Der Fall zeigt gut, dass ein historisches Thema nie ganz neutral ist, auch wenn es nur als Kulisse gedacht war.
Geschichte als Spielinhalt
Interessanter sind Spiele, bei denen die historische Lage die Regeln formt.
Brass: Birmingham bildet die industrielle Revolution ab. Erst Kanäle, dann Eisenbahnen, und der Wechsel zwischen beiden Epochen ist fest eingebaut. Man versteht nach ein paar Partien, warum Infrastruktur alles andere bestimmt hat.
7 Wonders und Through the Ages spannen ganze Zivilisationsverläufe auf. Bei letzterem ist der Zusammenhang von Bevölkerung, Nahrung und Militär so eng verzahnt, dass Vernachlässigung eines Bereichs sofort spürbar wird.
1830 und andere Eisenbahnspiele der 18xx-Reihe bilden Aktiengeschäfte des 19. Jahrhunderts ab, inklusive der Möglichkeit, eine Gesellschaft gezielt auszuplündern. Sie sind sperrig, aber lehrreich.
Konflikte und ihre Darstellung
Spiele über Kriege sind ein eigenes Feld mit eigenen Regeln, siehe Wargames. Zwei Titel lohnen aber auch für Leute, die keine Wargames mögen:
Twilight Struggle bildet den Kalten Krieg über Ereigniskarten ab. Beide Seiten spielen dieselben historischen Ereignisse, aber jede Karte hilft nur einer Seite, was Zwänge erzeugt, die sich sehr nach der Epoche anfühlen.
Freedom: The Underground Railroad behandelt die Fluchthilfe für versklavte Menschen in den USA und ist kooperativ angelegt.
Was historische Spiele nicht leisten
Sie sind keine Geschichtsstunde. Jedes Spiel trifft eine Auswahl und vereinfacht, damit es spielbar bleibt. Wer nach einer Partie glaubt, die Epoche verstanden zu haben, hat die Vereinfachung übersehen. Was Spiele gut können, ist ein Gefühl für Zwänge vermitteln: warum eine Entscheidung damals naheliegend war, obwohl sie im Rückblick falsch aussieht.
Kurzübersicht
| Spiel | Epoche | Personen | Gewicht |
|---|---|---|---|
| 7 Wonders | Antike | 3-7 | leicht |
| Die Burgen von Burgund | Mittelalter | 2-4 | mittel |
| Brass: Birmingham | Industrialisierung | 2-4 | schwer |
| Through the Ages | Menschheitsgeschichte | 2-4 | schwer |
| Twilight Struggle | Kalter Krieg | 2 | schwer |
| 1830 | 19. Jahrhundert | 3-6 | sehr schwer |
Wer den wirtschaftlichen Aspekt bevorzugt, findet passende Titel bei den Wirtschaftssimulationen.