Wargames: Strategie- und Taktikspiele im Überblick
Das älteste Genre der Brettspielwelt, mit eigenen Regeln, eigener Sprache und einer eigenen Verantwortung.
Evils-Toy-Redaktion
Wargames sind älter als das moderne Brettspiel. Ihr Ursprung liegt im preußischen Kriegsspiel des frühen 19. Jahrhunderts, das zur Offiziersausbildung entwickelt wurde. Aus dieser Herkunft stammt vieles, was das Genre bis heute prägt: Hexfelder, Kampftabellen und ein Detailgrad, der Außenstehende abschreckt.
Was ein Wargame von einem Strategiespiel unterscheidet
- Asymmetrie. Beide Seiten haben unterschiedliche Mittel und unterschiedliche Siegbedingungen. Die historische Ausgangslage war schließlich auch nicht ausgewogen.
- Gelände zählt. Flüsse, Hügel und Wege verändern Bewegung und Kampf konkret.
- Zeit ist Ressource. Viele Titel enden nach einer festen Rundenzahl, nicht wenn jemand gewinnt.
- Ergebnistabellen. Kampfergebnisse werden häufig über Verhältnisse und Würfelwürfe ermittelt statt über Kartenwerte.
Einstiegstitel
Memoir ‘44 ist der zugänglichste Vertreter. Ein Kartensystem teilt das Schlachtfeld in drei Abschnitte, und man darf nur handeln, wofür man Karten hat. Das reduziert Regelballast erheblich und erzeugt trotzdem sinnvolle Entscheidungen. Eine Partie dauert etwa eine Stunde.
Undaunted arbeitet mit Deck-Building und ist damit für Leute anschlussfähig, die aus dem modernen Brettspiel kommen. Verluste bedeuten hier, dass Karten aus dem eigenen Deck verschwinden.
Twilight Struggle bildet den Kalten Krieg ohne einen einzigen Schuss ab und gilt seit Jahren als eines der besten Zwei-Personen-Spiele überhaupt.
Für erfahrene Runden
Advanced Squad Leader steht am anderen Ende: ein Regelwerk im Ordnerformat, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Es ist weniger ein Spiel als ein Hobby.
Die Reihen von GMT Games und Compass Games decken die Fläche dazwischen ab, von Napoleonischen Feldzügen bis zu modernen Konflikten.
Miniaturen-Wargames
Ein eigener Zweig arbeitet nicht mit Karten und Hexfeldern, sondern mit Modellen und Maßband. Warhammer 40.000 ist der bekannteste Vertreter. Hier kommen Kosten für Figuren, Farben und Regelbücher dazu, und das Bemalen ist ein eigenständiger Teil des Hobbys. Mehr dazu bei den Miniaturenspielen.
Zur Darstellung realer Konflikte
Wargames simulieren Ereignisse, bei denen Menschen gestorben sind. Das Genre geht damit unterschiedlich um. Ein Teil der Titel abstrahiert stark und spricht von Einheiten und Stärkepunkten. Andere arbeiten mit Quellenmaterial und historischen Anmerkungen und verstehen sich ausdrücklich als Auseinandersetzung mit Geschichte.
Was man beim Kauf wissen sollte: Konflikte der jüngeren Vergangenheit sind ein anderes Thema als die Schlacht bei Waterloo, und nicht jede Spielrunde will das am Tisch haben. Ein kurzer Blick auf Setting und Beiheft klärt das vor dem Kauf.
Kurzübersicht
| Spiel | Personen | Dauer | Einstieg |
|---|---|---|---|
| Memoir ‘44 | 2 | 60 Min. | leicht |
| Undaunted | 2 | 45 Min. | leicht |
| Twilight Struggle | 2 | 180 Min. | mittel |
| Warhammer 40.000 | 2 | 120 Min.+ | hoch, mit Materialkosten |
| Advanced Squad Leader | 2 | offen | sehr hoch |
Wer die historische Ebene mag, aber keine Kämpfe, findet passende Titel bei den historischen Brettspielen.