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Evils Toy
Bücher

Wie Bücherlesen unser Leben bereichern kann

Warum Lesen ausgerechnet den Leuten schwerfällt, die es früher gern gemacht haben, und wie man zurückfindet.

Evils-Toy-Redaktion

Lesen und Brettspielen haben denselben Feind: die zerstückelte Aufmerksamkeit. Beides braucht einen Block Zeit am Stück, und beides belohnt genau das. Wer das Gefühl hat, nicht mehr zum Lesen zu kommen, hat meistens kein Zeitproblem, sondern ein Konzentrationsproblem.

Was Lesen tatsächlich leistet

Über die Wirkung von Lesen wird viel Übertriebenes behauptet. Zwei Punkte lassen sich aber gut begründen:

Wortschatz. Geschriebene Sprache enthält deutlich mehr seltene Wörter als gesprochene. Wer regelmäßig liest, begegnet Begriffen, die im Alltagsgespräch praktisch nicht vorkommen. Das ist der direkteste und am wenigsten umstrittene Effekt.

Perspektivwechsel. Erzählende Literatur führt über längere Zeit durch das Innenleben einer Person. Man erfährt Begründungen für Handlungen, die man von außen nur als Verhalten sehen würde. Ob das messbar empathischer macht, wird diskutiert. Dass es die Gewohnheit trainiert, eine Situation aus einer fremden Sicht zu betrachten, ist offensichtlich.

Was Lesen nicht ist: eine Leistung. Ein Buch, das nach vierzig Seiten nicht trägt, darf weggelegt werden. Die Vorstellung, ein angefangenes Buch beenden zu müssen, hält mehr Menschen vom Lesen ab als Zeitmangel.

Wieder hineinkommen

Wer lange nicht gelesen hat, scheitert selten am Buch, sondern am Anspruch. Was hilft:

  • Kurze Kapitel. Ein Buch mit Kapiteln von zehn Seiten lässt sich in kleinen Portionen lesen, ohne dass man den Faden verliert.
  • Ein festes Zeitfenster. Zwanzig Minuten vor dem Schlafen sind wirksamer als der Vorsatz, mehr zu lesen.
  • Das Handy in einem anderen Raum. Nicht lautlos, sondern woanders.
  • Wiederlesen erlaubt. Ein Buch, das man kennt und mochte, ist ein leichterer Wiedereinstieg als ein neues.

Vorlesen

Bei Kindern ist Vorlesen die wirksamste einzelne Sache, die Erwachsene tun können, und sie funktioniert lange über das Alter hinaus, in dem Kinder selbst lesen können. Der Grund ist derselbe wie bei Spielen: Gemeinsame Aufmerksamkeit auf dieselbe Sache erzeugt Gespräche, die sonst nicht entstehen.

Wer daraus mehr machen will, findet in der Übersicht zu den Sprachspielen Formate, die in dieselbe Richtung wirken.

Buch und Spiel

Der Übergang ist fließender, als er wirkt. Viele Brettspiele erzählen Geschichten, und einige Bücher funktionieren wie Spiele. Spielbücher mit Entscheidungspunkten waren in den Achtzigern verbreitet und erleben seit einigen Jahren eine Rückkehr, teils als Escape-Formate mit Rätseln zwischen den Kapiteln.

Umgekehrt gibt es Brettspiele zu bekannten Romanreihen, die eigenständig funktionieren, siehe Lizenzspiele.

Ein praktischer Hinweis

Bibliotheken sind für dieses Hobby unschlagbar günstig und werden von Erwachsenen kaum genutzt. Ein Jahresausweis kostet in den meisten Städten weniger als zwei Taschenbücher, und der Zwang zur Rückgabe erzeugt genau den sanften Druck, der beim Lesen hilft.